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Historie
 

Die berufsgenossenschaftlichen Haftpflichtversicherungsanstalten
- Historische Entwicklung, Nutzen und Wirkungsweise -


Die technischen und industriellen Entwicklungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts führten in Art und Umfang zu bis dahin unbekannten Unfallgefahren für die arbeitende Bevölkerung. Für die Unternehmer entstand ein Bedarf, die Ansprüche aus den betrieblichen Unfällen abzusichern. Aufgrund gesetzlicher Änderungen mit der Pflicht auch für das Verschulden der Aufsichtspersonen einzutreten und in bestimmten Fällen verschuldensunabhängig zu haften, stiegen die Entschädigungsansprüche weiter an.

Im Ergebnis führten die neuen Haftungssituationen und der daraus resultierende Versicherungsbedarf zur gesetzlichen Unfallversicherung. Schnell wurde aber klar, dass die Unfallversicherung nicht alle Ansprüche auf genossenschaftlicher Basis ablösen konnte, denn alle Schäden, in denen kein Betriebsunfall vorlag sowie die Haftungsansprüche aus Sachschäden und Regress blieben unversichert.

Mit der Begründung der besonderen Haftungssituation der Unternehmer und der ihnen in der Haftung Gleichgestellten, wurde den Berufsgenossenschaften daher die Berechtigung zur Gründung eigener Haftpflichtversicherungsanstalten erteilt, die in Konkurrenz zu den schon tätigen privaten Versicherern treten konnten.

Mit der historischen Vorstandsentscheidung vom 27. März 1924 wurde auch von der Gartenbau-Berufsgenossenschaft der Beschluss gefasst, eine Haftpflichtversicherungsanstalt zu betreiben. Mit Wirkung vom 1. August 1924 ist die Genehmigung zur Errichtung durch das damalige Reichsversicherungsamt erteilt worden, so dass die älteste Tochter" der Berufsgenossenschaft im Jahr 2012 auf ein 88-jähriges Wirken zurückblicken kann.

Bei der Haftpflichtversicherungsanstalt werden die Versicherungsbedingungen und Tarife seit der Gründung von der eigenen gärtnerischen Selbstverwaltung beschlossen und auf die Bedürfnisse des Berufsstandes ausgerichtet und angepasst. Die besondere Preisgünstigkeit der Versicherung ergibt sich u. a. aus der Gemeinnützigkeit, dem Einfluss der Präventionsarbeit der Berufsgenossenschaft auch auf das Haftpflichtgeschehen und der Tatsache, dass gärtnerische Unternehmen in Erwerbsgartenbau und Dienstleistung im Vergleich zu rein gewerblichen oder industriellen Betrieben gute Versicherungsrisiken darstellen.

Der Wettbewerb mit kommerziellen Versicherern und die Kritik privater Versicherer an Sonderbedingungen für die berufsgenossenschaftlichen Haftpflichtversicherungsanstalten und deren günstige Prämien ziehen sich als rote Fäden durch die Geschichte der Haftpflichtversicherungsanstalt. Da der Fortbestand der Haftpflichtversicherung als gemeinnützige, berufsständische Selbsthilfeeinrichtung durch das Gesetz zur Neuordnung der Organisation der landwirtschaftlichen Sozialversicherung gewährleistet ist, wird es auch in Zukunft darauf ankommen, den Wettbewerb weiter anzunehmen, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Berufsstand als Vorteil für die Mitglieder zu erhalten und Trends und Entwicklungen in der Versicherungsbranche und im gärtnerischen Kunden­ stamm zu erkennen und aufzunehmen.

15.600 Mitgliedsbetriebe schenken der Solidargemeinschaft Haftpflichtversicherungsanstalt derzeit ihr Vertrauen. Neben dem Kernprodukt Betriebshaftpflichtversicherung wurde das Versicherungsangebot in den letzten Jahren kontinuierlich ergänzt und modernisiert, zum Beispiel durch eine erweiterte Produkthaftpflicht oder die Umweltschadensversicherung. Im Jahr 2011 wurde ein neues Produkt, mit dem Namen Premium/Plus, eingeführt. Hier können Private Haftpflichtrisiken wie Privathaftpflicht, Tierhaftpflicht, Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht, Bauherrenhaftpflicht usw. versichert werden.